4 - Kaufhaus Seisser (heute: Breuninger)

1773 erhielt der "Bortenwirker und Handelsmann" Michael Philipp Seisser durch ein hochfürstliches würzburgsches Regierungsdekret die Genehmigung zur Eröffnung einer Niederlassung. Das Geschäft ging immer auf den ältesten männlichen Nachkommen über und so übernahm 1802 Georg Philipp Seisser, ein bereits anerkannter Vollkaufmann, das Geschäft.

Als 1853 Franz Seisser in das Geschäft eintrat, nahm dieser einen grundsätzlichen Wandel in der als zu eng empfundenen Niederlassung vor. So wurde das "Bortenwirker- und Handelsmannlädchen" in ein Geschäftshaus am "Blumenmarkt Nr. 6" umgewandelt. Nach seinem Tod übernahm am 14.3.1876 dessen Sohn Michael Philipp Seisser das Geschäft. Er kaufte die Nachbaranwesen Blumenmarkt 8 und Langgasse 6 dazu. Das Sortiment umfasste zu dieser Zeit Weiß-, Woll-, Kurz- und Manufakturwaren.

Stadtarchiv Würzburg
Am 16.5.1902 kaufte Michael Philipp Seisser das bertächtliche Anwesen von S. Rosenthal und leitete einen großen Umbau ein, der am 22.2.1904 abgeschlossen wurde. In der folgenden Zeit kaufte er die Grundstücke Kürschnerhof 4 (1910), Martinstraße 1 und 4 und einen rückwärtigen Bauplatz, womit er eine einheitliche Verbindung des Geschäftshauses Kürschnerhof 6 und Martinstraße 2a schaffte. Mit dem zusätzlichen Ausstellungsplatz wurden neue Abteilungen geschaffen.
Im Jahre 1923 konnte die Firma ihr 150-jähriges Bestehen feiern.

1949 wurde die steinerne Fassade des Hauses Seisser am Kürschnerhof 6 abgerissen, weil das "Fassadenmonstrum in keinen Proportionen [mehr] zur Umgebung" stand (insbesondere das Schöne Eck und die Neumünsterkirche mit ihrer vollständig verdeckten Kuppel hatten darunter gelitten). Die abgerissene Fassade stammte von 1884 und wurde damals von Kaufmann S. Rosenthal im zeitüblichen überladenen künstlichen "Renaissance-Stil" erbaut. Ebenso musste das Haus Nr. 4 aus dem späten 18. Jahrhundert, das mit anderen Bauten als Maßstab zukünftiger Bebauung gegolten hatte, verschwinden.
So schrieb die Mainpost: "Nun ist der Platz frei geworden um diesem repräsentativen Teil Würzburgs zusammen mit dem Sparkassenneubau eine der Stadt würdige Note zu verleihen." 1

18.1.2003 Am 6.9.1958 wurde das neue Geschäftshaus der Firma Seisser nach den Plänen von Dipl.-Ing. Bruno Scholz (erstmals direkt an das Neumünster anschließend) ohne zuvorigen Abschluss des Genehmigungsverfahrens eingeweiht. Man hatte gleich nach dem Kriegsende mit dem Wiederaufbau begonnen, und so konnte schon 1950 an der Ecke Martinspassage ein erstes Teilstück bezogen werden. (Bild)
Zunächst wurde die Verbindung zum Neumünster hergestellt, um dann fast symmetrisch zum Sparkassengebäude auf der anderen Seite des Neumünsters das Haus hochzuziehen. Auch hier sollte, wie auf der anderen Seite, ein schmaler zurücktretender und etwas niedrigerer Zwischentrakt (siehe Bild links) das Hauptgebäude von der Kirche absetzen. So sollte der Eindruck vermieden werden, dass diese zwischen beiden Häusern eingeklemmt ist. Eine weitere Anpassung an die Sparkasse stellte das eingefügte Zwischengeschoss über dem Erdgeschoss dar. Insgesamt besaß die Firma Seisser nun vier Geschosse (plus einem "Galerie-Geschoss") und eine 125 Meter lange Schaufensterfront. Das oberste Geschoss wurde an eine Versicherung vermietet. Seit April 1986 ist das Geschäft an die Modewaren-Kette "Breuninger" verpachtet. 2



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