Sparkassengebäude - vor 1945 (Th. Fischer)

Nachdem das alte Landgericht 1894 abgerissen worden war, entfachte sich ein über 30-jähriger Kampf um eine angemessene Neubebauung des freien Platzes zwischen der Neumünsterkirche und dem Dom.
Nach 1919 begann auch die Sparkasse für den leer gewordenen Platz zu planen, über den die Süddeutsche Zeitung geschrieben hatte: "[ein] warnendes Beispiel [...] denn jeder Verständige wird durch den jetzigen Anblick hinreichend von der ‚Idee' der ‚Domfreiheit' bekehrt sein." 1

In der Folge reichten mehrere Architekten ihre Entwürfe ein, von denen ich auf die zwei wichtigsten näher eingehen möchte:

Christoph Mayer:
Christoph Mayer war seit 1892 Chef eines eigenen "Technischen Büros für Hochbau" und schon um die Jahrhundertwende angesehen und viel beschäftigt.

Seine Werke bis 1902 waren unter anderem:

  • Geschäftshäuser an der Schönborn-, Theater-, Dom-, Peter- und Heinestraße
  • Schnellpressfabrik Koenig & Bauer
  • Erweiterungsgebäude der Schokoladenfabrik Wucherer & Co. (heute Frankonia)
  • Malzfabrik Geys in der Zellerau
  • Die ersten Villen am Dallenberg
  • Mainpost: 'Das alte Wüzrburg - Ur-Ideen zum Sparkassenbau', 8.1.1972 Er übernahm vom abgerissenen Landgericht als wichtigstes Fassadenelement die gekoppelten, schlichten Barockfenster mit geraden Verdachungen und den kassettierten Putzbrüstungen. Zusätzlich versah er lediglich die Fenster im zweiten Stock mit einer einfachen Zopfgirlande, die aber genügte, um der Fassade ein bisschen modische Fröhlichkeit zu verleihen.

    • Die Linsengliederung der Obergeschosse und die Korbbogenfenster im Parterre verliehen dem Bau zusätzlich einen freundlichen Eindruck.
    • Die Fußgängerarkade mit Balkonterrasse sollte nur ein kleines Stück über die Schmalseite des Hauses hinaus auf den Dom zuführen, dann aber abgeschrägt auf den Kiliansplatz ("Leichenhof"). Zwischen dem Arkadengang und dem nordwestlichen Domturm wäre eine sieben Meter breite Straße geblieben.
    • Dem rechts abgebildeten Flügel sollte ein weiterer parallel zur Längsachse des Neumünsters angefügt werden.
    • Vor dem Arkadengang an der Ostseite dieses Traktes hatte Christoph Mayer neben dem Querschiff von Neumünster eine Brunnenanlage vorgesehen. ("Der Kilianplatz wäre einen Brunnenwettbewerb großen Stiles wert.")


    Da sein Bauwerk unausgeführt bliebt, wurden viele seiner Ideen nach dem zweiten Weltkrieg für den Sparkassenneubau genutzt.

    Theodor Fischer:
    Prof. Dr. h. c. Theodor Fischer begann 1921 mit seinen Planungen. Diese sahen fast ausnahmslos nur einen Anbau an das Neumünster vor, sodass die Straßenführungen weiterhin bestehen blieben und eine gewisse Domfreiheit entstehen würde.

    1. Vorschlag:
    Der erste Vorschlag bestand darin, die Lücke, die durch den Abriss des Landgerichts entstanden war, wieder zu schließen. Der neue Bau sollte auf einer Säulenhalle nach Art Florentiner Loggien sitzen und den Verkehr durch Bogengänge und Durchfahrten leiten. Somit wäre vor dem Dom ein geschlossener, rechteckiger Tiefenplatz entstanden. Zusätzlich hätte ein zweiter Platz die Chorseite des Neumünsters mit der Seitenansicht des Domes und der Schönbornkapelle zusammengeschlossen. Fischer hatte also die Schaffung von fest umgrenzten Plätzen im Blick - dieser Entwurf wurde allerdings abgelehnt, da man keinerlei Überbauung der Straße mehr haben wollte.

    2. Vorschlag (Angenommen und verwirklicht):
    Hier gab Fischer die geschlossene Platzbildung auf und deutete sie nur an.
    Da er eindeutig auf verkehrstechnische Belange Rücksicht nehmen musste, konnte er allerdings nur eine die Neumünsterfassade begeleitende Architektur errichten: Der in drei Absätzen vorgeschobene Bau ließ den Verkehrsstrom den schnellsten Weg durch den Kürschnerhof nehmen. Der zweite Plan war also genau das Gegenteil von den unübersichtlich engen Durchfahrten, wie sie Fischer im ersten Vorschlag angedacht hatte.
    Es wird also wieder mehr als deutlich, dass das fundamentale Problem des Kürschnerhofs seine Überbelastung war. Zum einen sollte er als Hauptverkehrsstraße dienen, zum anderen musste auch noch die historische Bausubstanz ins Licht gerückt werden:
    Die am Neumünster angeschlossene Seite sollte nur eine ruhige Wandfläche darstellen und sich unaufdringlich eingliedern, weshalb diese Seite eine barocke Gliederung wie die Neumünsterfassade erhielt.
    Die Südfassade, also die Bebauung der Durchfahrt von der Domstraße in die Hofstraße gestaltete Fischer mittels gestaffelter Baukuben, die einen Gemengebau vortäuschten. Zusätzlich wurde der auflockernde barocke Arkadenbau von der rechten Domseite kopiert. (Heute ist von diesen Arkaden nur noch ein Stück erhalten).
    Weiterhin wird der Versuch des Eingliederns bei der Geschosshöhe deutlich: Sämtliche Geschosse des Sparkassengebäudes reichten noch nicht einmal bis zum Gesims der unteren Säulenordnung der Kirche. Der Bau war also sehr niedrig gehalten und die Kuppel bis zum Tambour von fast jedem Standpunkt aus zu sehen. Kein wesentlicher Punkt war unterdrückt oder verdeckt.
    Fischer schaffte also einen Vorschlag, der dem Verkehr freien Lauf ließ und sich in das vorhandene Stadtgefüge eingliederte. Ausserdem stellte sein Plan keinen Protzbau dar, womit er eine Wende einläutete: Man versuchte nun zusehends, andere Bauwerke nicht mehr zu übertrumpfen, sondern sich einzugliedern, alt und neu zu verbinden. Diözesanarchiv Würzburg

    1928 wurde der Sparkassenbau und somit ein Abschluss auf der Kürschnerhof-Ostseite unter Bewunderung und Beifall fertiggestellt: Der Kürschnerhofblock stand auf hohen Pfeilern und hatte nur zwei großflächige modern wirkende Obergeschosse. Das Dach bildete eine turmartige Schieferhaube, die mit ihrer Kuppel ein optisches Bindeglied zwischen den Kuppeln von Neumünster und der Schönbornkapelle darstellte.
    Die Vorhalle bestand aus Muschelkalk und einer Stuckdecke. Im Bogenfeld über der Treppe waren mehrere Kalksteinplastiken angebracht.

    Städtebaulich gesehen ist Fischers Versuch, den Kürschnerhof und die beiden Kirchen wieder in einen städtebaulichen Zusammenhang zu bringen, unbefriedigend geblieben, weil er das Stadtgefüge in diesem Bereich bedingungslos dem Verkehr zur Verfügung stellen musste. Folglich waren Fischers Aufgaben eher kosmetischer Natur, d.h. die Gestaltung einer Straßenwand mit der barocken Neumünsterfassade als Zentrum.
    Ausserdem war ein städtebaulicher Gedanke, der die gesamte Situation erfasst hätte, nicht vorhanden und so konnte Fischer das ursprüngliche System der in sich geschlossenen Plätze, die jeweils einem bestimmten Bau zugeordnet gewesen waren, nicht zurückgewinnen.

    Am 19.2.1945 (fast einen Monat vor dem großen Bombardement) wurde Theodor Fischers bedeutendstes Projekt nach dem ersten Weltkrieg durch eine britische Luftmine zerstört.

    Weiterzulesen in der Chronik "1948"

    Sparkasse - Neubau nach 1945

    Da das Wettbewerbsthema schon zweigeteilt war, konnte der Entwurf für das Sparkassengebäude gut aus dem Plan Schäfer/Muß ausgekoppelt und vom 2.8.1949 - 1.8.1951 gebaut werden. Der Bau erfüllte die im Wettbewerb geforderte Herausbildung des Domvorplatzes und Kilianplatzes. Entsprechend gelobt wurde das "städtebauliche Ruhmesblatt" als "erstes Kernstück der künftigen Altstadtbebauung" - Man sprach sogar schon vom "Geist der Sparkasse".
    Obwohl "die Sünde des 19. Jahrhunderts - die Idee von der Domfreiheit [...] offensichtlich beseitigt [wurde, wurde] der gesamte Kürschnerhof durch den Sparkassenbau kaum entscheidend gestaltet."
    Dennoch wurde in mehreren Schriften deutlich, dass die neue Einbindung der Neumünsterfassade großen Anklang fand.

    Das geplante Sparkassengebäude (Schäfer/Muß) sollte auf rechteckigem Grundriss zwischen den beiden Kirchen errichtet werden. Der dreigeschossige Bau hatte im Erdgeschoss Arkaden, im ersten Obergeschoss zehn hochrechteckige Fenster und im zweiten Obergeschoss dieselbe Anzahl kleinerer, gekoppelter Fenster.

    Der ausgeführte Sparkassenneubau hingegen ist im Gegensatz zum Entwurf viergeschossig, hat große rechteckige Öffnungen im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ein Mezzanin. Eine Erdgeschossöffnung fasst zwei Fensterachsen zusammen. Die vielen Fenster, die immer den gleichen Abstand haben und das Fehlen eines Gliederungsmotivs lassen die Fassade des Baus nun spannungsloser wirken. Das Hauptportal wird durch ein Relief betont.
    Der entstandene Bau soll nicht "primär als eine zu gestaltende Architektur empfunden [werden], sondern [soll] ein Bindeglied [...] zwischen zwei in ihrer Erscheinung ganz verschiedenen Baudenkmälern [sein und] diese ohne Anspruch trennen[ ] und verbinden[ ]."
    Doch schon ein paar Jahre später musste die Sparkasse wegen Platzmangels in ihren neuen Hauptbau in die Hofstraße umziehen.
    Heute wird das Gebäude nach einer Entkernung fertiggestellt. Die Firmen "Juwelier Treml", "Buchhandlung am Dom" und das "Café am Dom" haben ihre Verkaufsräume schon bezogen. Im übrigen Gebäude soll das "Museum am Dom" (Eröffnung: 7. März 2003 um 10:00 Uhr) untergebracht werden.


    Quellen | Zurück